Auch Ursula von der Leyen stolpert im
Amt des Verteidigungsministers
Zuverlässig
– fehlerhaft. Zwei Adjektive, die bereits für das Sturmgewehr G36 von Heckler
und Koch verwendet wurden. Ursprünglich galt es als eine der besten Waffen der
Bundeswehr, eine Waffe, die seit beinahe 20 Jahren von der Armee genutzt wird.
Dieses Image konnte aber nur so lange erhalten werden, bis 2012 der Spiegel
erstmals über das Problem der Ungenauigkeit bei längerer Benutzung berichtete.
So lange unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandelt, bis Ende April in einer
Pressekonferenz bekannt wurde, dass das Gewehr alles andere als zuverlässig
schießt und sogar lebensgefährlich sein kann.
Aber kann
die Öffentlichkeit wirklich die Verteidigungsministerin dafür verantwortlich
machen? Die Antwort lautet, zumindest auf die Frage, warum sie das Problem so
lange verschwiegen hat, eindeutig Ja. Laut Herstellerangaben hatte das
Unternehmen schon Ende 2013 den Bundeswehr-Geheimdienst MAD informiert, auch
wenn die Ministerin nicht von Anfang an Bescheid wusste, so hat sie doch noch
viel zu lange gewartet um die Reißleine zu ziehen. Das hat sie nun getan, das
G36 wird ausgemustert und Detlef Selhausen, ein ranghoher Ministeriumsbeauftragter
wurde entlassen, vor allem um den Schaden der ausgearteten Affäre zu begrenzen.
Beamte als Art Bauernopfer zu entlassen um selbst die Misere von sich zu lenken
kann in der modernen Politik aber auch keine Lösung sein, die Probleme müssen
bei allen Beteiligten gesucht werden, nicht zuletzt bei dem Unternehmen, bei
dem vor über 20 Jahren die Entwicklung
des fraglichen Gewehrs begann, nämlich Heckler und Koch.
Diese sehen
sich laut Pressemitteilung des Vorstandes auch nur als Opfer der Politik, das
G36 habe ja jahrelang ohne Probleme seinen Dienst getan. Sie verlieren mit dem
G36 nicht nur einen ihrer Verkaufsschlager, sondern auch noch einen guten Teil
ihres Rufes, was wohl der schwerwiegendere Punkt sein dürfte. Auch hier stellt
sich die Frage: Warum kann eine Firma, die todbringende Waffen herstellt, nicht
das Gewehr aus dem Verkehr ziehen und so unnötige Risiken im Kriegseinsatz
vermeiden? Wie auch schon im Ministerium gilt hier: Nur wenn alle Beteiligten
zusammenarbeiten, kann man eine Lösung finden. Ein Einschalten des
Geheimdienstes durch Heckler und Koch reicht da bei Weitem nicht aus.
Ein
Austausch der ca. 170000 vorhandenen G36-Gewehre bleibt da der einzige Ausweg,
ein Imageschaden ist natürlich trotzdem die logische Konsequenz. Wie auch schon
von der Leyens Vorgänger als Verteidigungsminister, Thomas de Maizière, der durch
die Eurohawk-Affäre stark in Bedrängnis geriet,
sieht sich von der Leyen auch wieder dem ungebändigten Spott der
Bevölkerung ausgesetzt. Nun scheint es in vielerlei Hinsicht so als wäre für
viele Minister das Amt mehr ein Fluch
als ein Segen, mit dem Thema Rüstung gehen die Deutschen von Grund auf schon
äußerst kritisch um.
Sollte das
Verteidigungsministerium also immer wieder brisante Themen geheim halten, so
kann es sich dem Misstrauen der Bevölkerung sicher sein. Nur wenn die
Institutionen der Politik, der Wirtschaft und auch die der Betroffenen selbst
zusammenarbeiten, besteht doch noch die Chance, dass Heckler und Koch ein
Gewehr entwickeln können, welches auch auf die Dauer mit „zuverlässig“
beschrieben werden kann.
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