Dienstag, 19. Mai 2015

Auf dem Abstellgleis

Bahnkunden leiden erneut unter GDL-Streik

„Fahrt fällt aus“. Diese in rot aufleuchtende Meldung dürfte eingefleischten Kunden des Online-Service der Deutschen Bahn nur allzu gut bekannt sein. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ruft zum neunten Mal im aktuellen Konflikt zum Streik auf und die leidtragenden Pendler stehen erneut vor der Frage: „Wozu das Ganze?“

Und die Frage ist durchaus berechtigt. GDL-Chef Claus Weselsky macht seit Monaten seine Forderungen klar, möchte die Bahn einen Kompromiss finden, ist der Gewerkschafter absolut nicht zu einer Einigung bereit. Zugegeben, die Bahn hat an der Misere alles andere als Unschuld, kann auch sie sich nur schwerlich damit anfreunden auf Weselsky zuzugehen. Die geforderten Punkte sind in vielerlei Hinsicht durchaus schlüssig, eine Verbesserung der Lokführer-Tarife ist sicherlich nötig. Nur stellt die GDL zu viele Forderungen an die Bahn, die damit nur mehr abgeschreckt wird. Beide Parteien sind insofern beide nicht zu wirklichen Verhandlungen bereit, weil jede Seite mit möglichst wenigen Kompromissen alle Forderungen durchsetzen möchte.

Ersatzfahrpläne, Verspätungen, Streiks. Begriffe, mit denen die Bahn mittlerweile identifiziert wird, hatte sie doch schon vor dem GDL-Tarifkonflikt nicht den besten Ruf bei den Kunden. Auch hier stellt sich die Frage: Wie lange machen die Bahnkunden das Durcheinander noch mit? Immerhin sind ja die Bahn und damit auch die Lokführer vom  Besuchsaufkommen abhängig, was sowohl für die Zeit des Streikes, aber auch darüber hinaus alles andere als dem wirtschaftlichen Profit zuträglich ist. Weselsky schadet der Bahn mehr, als diese durch die Tariferhöhungen wieder erwirtschaften könnten und schneidet sich damit ins eigene Fleisch.

Eine Schlichtung wird nur schwer möglich sein, solange Krawall-Claus weiter die Position seiner Gewerkschaft ausbauen will und die Bahn nicht einlenken möchte. Der ehemalige Verkehrsminister Peter Ramsauer (CDU) schlug nun die Verbeamtung der Lokführer vor, die Streikfrage könnte damit erst mal geklärt werden. Aber dass auch diese Idee nur Wunschdenken bleibt, ist natürlich zu erwarten, würde man doch den Einfluss der Lokführer-Gewerkschaften soweit herabsetzten, dass nur noch mit mehr Ärger zu rechnen wäre und das nicht nur von Seiten der GDL, sondern auch von Seiten der weitaus größeren Gewerkschaft, der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).


Bleibt am Ende nur noch zu hoffen, dass die kleinen roten Anmerkungen im Fahrplan der deutschen Bahn möglichst schnell wieder verschwinden und nicht mehr so schnell auftauchen, damit sich die Lage in der Bahn-Landschaft etwas entspannen kann.

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